Was tun im Sterbefall?
Die ersten Schritte
Tod und Trauer
Als allererstes möchte ich Ihnen sagen: Ihr Verlust tut mir sehr, sehr leid!
Wenn ein geliebter Menschen stirbt, ist das für die meisten ein schwerer Schicksalsschlag und hinterlässt bei denen, die zurückbleiben, eine große und extrem schmerzhafte Lücke.
Und selbst, wenn Sie Trost im Glauben o.Ä. finden - was bleibt, ist die Trauer.
Ihre Trauer.
Und häufig auch die Hilflosigkeit, vor allem in den ersten Stunden und Tagen nach dem Tod:
Was ist jetzt zu tun?
Wen müssen wir kontaktieren?
Woran müssen wir alles denken?
Und wer hilft uns bei was?
Ich nehme Sie hier gerne an die Hand und geben Ihnen Informationen und Hilfestellungen – für all das Organisatorische am Anfang, aber auch für die Begleitung in Ihrer Trauer.

Über die Trauer
Trauern ist die unmittelbare Antwort auf einen schmerzlichen Verlust und ein wichtiger, notwendiger und natürlicher Prozess, um diesen Verlust zu verarbeiten und um zu lernen, mit der neuen Situation weiterzuleben. Ohne Trauer gibt es auch keine Heilung. Dabei ist die Trauer etwas sehr Individuelles. Sie ist so einzigartig wie jeder Mensch selbst und verläuft bei jedem anders. Sie unterscheidet sich in Länge, Art und Ausprägung.
Deshalb: Wenn Sie trauern, lassen Sie sich niemals vorschreiben, wie Sie zu trauern haben. Ihr Trauerweg ist Ihr ureigener, persönlicher Weg, und nur Sie können wissen, wie er aussieht.

Als Allererstes...
Am Anfang ist das Allerwichtigste: Ruhe bewahren! Sie haben alle Zeit der Welt.
Danach hängen die ersten Schritte, nachdem ein Mensch verstorben ist, davon ab, wo der Todesfall eingetreten ist.
Befand sich der/die Verstorbene im Krankenhaus oder in einem Pflege- oder Altersheim, müssen Sie zunächst dem dortigen Pflegepersonal und den Ärzten Bescheid geben. Diese helfen Ihnen dann bei den ersten Schritten.
Ist Ihr*e Angehörige*r zu Hause verstorben, kontaktieren Sie als erstes den Hausarzt. Laut Gesetz muss dieser den Totenschein ausstellen.

Wer steht mir zur Seite?
Überlegen Sie sich dann, wen aus Ihrem persönlichen Umfeld Sie benachrichtigen möchten. Wer soll Ihnen in diesem schweren Moment zur Seite stehen? Sie brauchen jetzt jemanden bei sich, dem Sie blind vertrauen. Der auch ohne Worte weiß, was Sie benötigen, der aushält, was gerade da ist, und der Ihnen für eine Weile Sicherheit gibt. Jemand, der mithilft zu tragen, was allein kaum zu tragen ist, und der da bleibt, wenn alles andere stillsteht. Und machen Sie sich bewusst: Sie müssen jetzt noch nicht alles ordnen oder verstehen. Es genügt, diesen einen nächsten Schritt zu gehen – Schritt für Schritt, in Ihrem eigenen Tempo.

Kontakt zum Bestattungsunternehmen
Kontaktieren Sie dann in aller Ruhe ein Bestattungsunternehmen Ihres Vertrauens. Dieses wird sich mit Ihnen zusammensetzen – entweder bei Ihnen zu Hause oder in den dortigen Geschäftsräumen, je nachdem, was Ihnen lieber ist und wo Sie sich im Moment sicherer fühlen. Nehmen Sie sich Zeit für dieses Gespräch; es gibt kein Richtig oder Falsch. Das Bestattungsunternehmen nimmt Sie an die Hand und begleitet Sie Schritt für Schritt durch alles, was nun ansteht. Es kümmert sich um die Überführung, um alle notwendigen Formalitäten und um vieles von dem, was Ihnen jetzt vielleicht zu viel erscheint. So entsteht Raum für das, was im Moment wirklich wichtig ist: Das Abschiednehmen und Innehalten.
Wenn der/die Verstorbene Mitglied einer Kirche war, informiert das Bestattungsunternehmen auch die zuständige Pfarrperson. Falls nicht, steht hier evtl. die Frage nach einer/einem Trauerredner*in oder nach sonstigen Alternativen an.

Möchten wir vielleicht eine Aufbahrung?
Was in unserer Zeit kaum noch praktiziert wird, war früher gemeinhin üblich:
Die Aufbahrung (zu Hause), um in Ruhe Abschied nehmen zu können.
Heute ist die Situation häufig so, dass man von allen Seiten gedrängt wird, alle Entscheidungen schnell zu treffen. Kliniken und Pflegeheime benötigen die Betten und wollen den Sterbefall im Normalfall gut und schnell abwickeln.
Was viele dabei nicht wissen:
Sie haben ganze 48 Stunden Zeit, bevor der/die Verstorbene*r offiziell überführt werden muss! Zeit, die Sie sich in aller Ruhe nehmen können, auch gegen eventuell geäußerten Widerstand der Beteiligten.
Ist der Todesfall in Klinik oder Heim eingetreten, können Sie zwar nicht darauf bestehen, den/die Verstorbene*n so lange dort zu belassen, sehr wohl aber darauf, Ihre*n Angehörige*n zunächst nochmals aufzubahren.

Eine echte Alternative...
Eine Möglichkeit, an die kaum noch gedacht wird, ist die Aufbahrung bei Ihnen zu Hause. Das ist für viele Menschen heutzutage keine passende Lösung mehr, da der Tod damit sehr dicht an Sie herantritt und natürlich die Grenzen zu Ihrem Zuhause überschreitet.
Als Alternative dazu haben heute auch viele Bestattungsunternehmen und Friedhöfe sogenannte Abschiedsräume. Dort kann Ihr*e Angehörige*r ebenfalls aufgebahrt werden, und Sie haben Zeit, sich in Ruhe zu verabschieden, ggf. auch in einem gekühlten Sarg.
Überlegen Sie einfach, welche Art des persönlichen Abschiednehmens zu Ihnen passt und was Sie möchten. Bedenken Sie dabei, wie wichtig u.U. die Verabschiedung am offenen Sarg für Sie sein kann, um das Unfassbare irgendwie zu „begreifen“. Besprechen Sie das dann in Ruhe mit Ihrem Bestattungsunternehmen. Er wird versuchen, alles möglich zu machen, was Ihnen wichtig ist, hat alle nötigen Informationen und kennt sich sehr gut aus.

Damit es alle wissen:
Die Todesanzeige
Die Todesanzeige in der lokalen Presse hat mehrere Funktionen.
Zum einen erfolgt durch sie natürlich die schlichte Bekanntmachung des Todesfalles und ggf. die Bekanntgabe der Beisetzungsdetails.
Deshalb ist die Todesanzeige nach dem Kontakt mit dem Bestattungsunternehmen auch das erste, was Sie in Angriff nehmen sollten, damit sie noch rechtzeitig vor der Beisetzungszeremonie veröffentlicht werden kann.
Zum anderen versucht man aber meistens auch, durch die Wahl der richtigen Worte, Motive und Bilder die Persönlichkeit des/der Verstorbenen oder die eigenen Gefühle in der Anzeige widerzuspiegeln. So wird die Todesanzeige auch zu einem wichtigen Teil Ihres Abschiednehmens und zu einem Andenken.
Lassen Sie sich also Zeit für die Gestaltung der Anzeige.
Vielleicht gibt es ja ein Zitat, einen Bibelvers oder einen Spruch, der Ihrer/Ihrem Angehörigen wichtig war? Vielleicht drückt ja der Tauf-, Konfirmations- oder auch Trauspruch aus, was Ihnen wichtig ist? Vielleicht gibt es einen bedeutsamen Liedtext? Hier gibt es keine Vorgaben und Regeln und Sie sind ganz frei.
Es kann aber auch sein, dass Ihnen dieses Thema im Moment zu schwer ist und Sie die Entscheidung nicht treffen können. In diesem Fall kann Ihnen normalerweise auch die Zeitungsredaktion weiterhelfen, indem sie Gestaltungsvorschläge für Sie bereit hält.
Bedenken sollten Sie noch die Größe der Anzeige, da sich diese natürlich auf den Preis auswirkt.

Damit noch etwas blüht... Der Blumenschmuck
Blumen spielen eine wichtige Rolle bei der Beisetzung, sie sind ein Ausdruck Ihrer Trauer und ein Zeichen des Gedenkens.
Folgende Fragen sollten Sie sich überlegen:
- Welche Blumen möchte ich?
Bei dieser Frage geht es nicht darum, welche Blumen man „üblicherweise“ nimmt, sondern darum, welche am besten zu Ihrem/Ihrer Angehörigen passen. Fragen Sie sich: Was würde ihm/ihr gefallen? - Großer Kranz, kleiner Kranz, Schale, Zweige oder Schnittblumen?
Hier entscheidet häufig die Art und Weise der Bestattung über die Frage des Blumenschmuckes. Nicht alles passt zu allem, und bei manchen Bestattungsformen möchten Sie vielleicht auch gar keine Blumen? Auch das ist natürlich möglich.
Meistens gibt es weit mehr Optionen, als man zunächst denkt.
Nehmen Sie hier Kontakt zu einem Floristen auf, dessen Stil Ihnen gefällt. Er/Sie wird Sie gut und ausführlich beraten und auf Ihre persönlichen Wünsche eingehen.

Welche Bestattungsarten gibt es eigentlich?
Vielleicht hat Ihr*e Verstorbene*r sich ja bereits mit der Frage beschäftigt, wie er/sie bestattet werden möchte und eine Entscheidung für sich getroffen? Im besten Fall haben Sie sich vielleicht sogar gemeinsam darüber unterhalten.
Falls nicht, ist diese Entscheidung eine der ersten, die Sie treffen müssen.
Hier ein paar Infos dazu:
Bislang war die häufigste Bestattung die sog. Erdbestattung, bei der der/die Verstorbene im Sarg beerdigt wird. Zunehmend ist jedoch die sog. Urnenbestattung mit der Asche die am häufigsten gewählte. Sie unterscheidet sich neben der Bestattungsart auch im Preis, und später auch in der Grabpflege.
Urnen können auch auf See oder anonym bestattet werden. Immer beliebter werden auch die Bestattungen im Friedwald bzw. Ruheforst, bei der die Asche in kompostierbaren Urnen am Fuße eines Baumes beerdigt werden. Hier entfällt die spätere Grabpflege komplett, und es gibt sogar sog. "Familienbäume", die Sie reservieren können.
Darüber hinaus gibt es viele Variationsmöglichkeiten, über die Ihr Bestattungsunternehmen bestens Bescheid weiß. Lassen Sie sich hier gut und ausführlich beraten, und entscheiden Sie im Hinblick auf den/die Verstorbene*n, aber auch im Hinblick auf Ihre eigenen Bedürfnisse. („Kann ich mich um die Grabpflege kümmern?“ „Brauche ich einen Ort, an den ich gehen kann?“ etc.)

Ein paar Fragen...
Kann ich mir den Friedhof aussuchen?
Sollte es an Ihrem Ort mehrere Friedhöfe geben und sollten Sie eine normale Erd- oder Urnenbestattung wählen, hängt diese Frage im Normalfall von den örtlichen Friedhofsordnungen ab. Informationen dazu gibt es in Ihrem Rathaus, aber auch hier ist das Bestattungsunternehmen Ihr richtiger Ansprechpartner, denn dort weiß man über alle örtlichen Vorgaben Bescheid.
Bei Sonderwünschen wie Friedwald, Seebestattungen und anderen Bestattungsformen, die an Ihrem örtlichen Friedhof nicht möglich sind, ist die freie Wahl selbstverständlich gar kein Problem.
Dürfen Menschen nach einem Suizid kirchlich bestattet werden?
Ja, natürlich!
Kann jemand, der aus der Kirche ausgetreten ist, kirchlich bestattet werden?
Im Normalfall ist dies nicht möglich, denn der Austritt war ja eine bewusste Entscheidung und eine Trennung von der kirchlichen Gemeinschaft.
Ausnahme: Sollte jemand eigentlich noch einen Kircheneintritt vorgehabt haben, zu dem es jedoch am Ende nicht mehr kam, liegt dies im Ermessen der zuständigen Pfarrperson.
Angehörige jedoch, die Trost und Begleitung suchen, dürfen sich natürlich jederzeit an ihre*n Pfarrer*in wenden.

Extrem wichtig:
Das Trauergespräch
Wenn Ihr*e Angehörige*r Kirchenmitglied war, findet das Trauergespräch mit der zuständigen Pfarrperson statt. Alternativ können Sie sich auch für eine Trauerrednerin oder einen Trauerredner entscheiden, aber auch "ganz ohne" ist natürlich möglich. Diese Entscheidung treffen allein Sie als Familie.
Auch Ort und Rahmen des Trauergesprächs bestimmen Sie selbst – bei Ihnen zu Hause oder an einem anderen Ort, der sich für Sie stimmig anfühlt.
Im Trauergespräch erzählen Sie vom Leben Ihres/Ihrer Angehörigen und was ihn/sie ausgemacht hat, erinnern Sie sich auch an die kleinen Details. Das ist schmerzhaft, aber auch sehr tröstlich. Erzählen Sie aber auf jeden Fall alles, was Sie bewegt. Daraus entsteht dann die Trauerrede – in meinem Fall persönlich, das Leben des/der Verstorbenen ehrend und tröstlich. Sprechen Sie auch über Ihre Gefühle, die Umstände des Todes und über die Gestaltung der Trauerfeier: Musik, Rituale, Wünsche des/der Verstorbenen oder von Ihnen und über evtl. Beiträge aus Familie und Freundeskreis. Alles, was im Trauergespräch zur Sprache kommt, unterliegt selbstverständlich der Schweigepflicht.
Zur Vorbereitung kann es hilfreich sein, sich Notizen zu machen. Schreiben Sie bereits im Vorfeld Fragen oder Gedanken auf, wann immer sie auftauchen – Ihr Gedächtnis darf in dieser Ausnahmesituation entlastet werden.

Ein schwerer Tag:
Die Trauerfeier/Bestattung
Für viele ist die Trauerfeier der zentrale Kern in der Abschiedszeremonie.
Unterschätzen Sie auf keinen Fall, wie anstrengend dieser Tag für Sie werden wird.
Der endgültige Abschied wird hier nochmals deutlich vor Augen geführt, vielleicht sehen Sie viele Menschen, die Ihnen ihr Beileid aussprechen möchten, manche davon haben Sie vielleicht schon sehr lange nicht mehr gesehen.
Das alles kostet Kraft.
Sorgen Sie an diesem Tag gut für sich. Selbstfürsorge in der Trauer bedeutet, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und achtsam mit den eigenen Kräften umzugehen.
Und sorgen Sie dafür, dass jemand an Ihrer Seite ist, auf den Sie sich voll und ganz verlassen können.
Überlegen Sie sich im Vorfeld auch, wie Sie zu persönlichen Beileidsbekundungen stehen. Hilft es Ihnen zu sehen und zu hören, wie viele Menschen mit Ihnen um Ihre*n Angehörige*n trauern? Oder kostet Sie das zu viel Kraft?
Sie haben das Recht, das entweder zuzulassen oder auch auszuklammern.
Wenn Sie dies im Vorfeld mit der Pfarrperson oder dem/der Trauerredneri*in besprechen, wird er/sie das an der Trauerfeier entsprechend bekanntgeben.

Will ich das wirklich?
Der Leichenschmaus
Für die einen ist das anschließende Beisammensein von Familie, Freunden und Trauernden Stütze und Trost, weil man gemeinsam trauert, sich aber auch gemeinsam erinnert. Andere wiederum können sich das überhaupt nicht vorstellen, weil sie die Geselligkeit in ihrer Trauer nicht aushalten.
Auch hier ist es wichtig, dass Sie sich im Vorfeld gut überlegen, was für Sie und Ihre Familie passend ist.
Sollten Sie einen Leichenschmaus durchführen wollen, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie jemanden haben, der Ihnen alles Organisatorische an diesem Tag abnimmt. Der Tag war bislang anstrengend genug - Sie sind weder in der Verfassung noch haben ausreichend Kraft, um sich um alle Gäste, um das Kaffeekochen, Geschirrspülen und andere Aufgaben und Fragen kümmern zu können.
Überlegen Sie auch, wen Sie alles dabei haben möchten?
Nur die enge Familie? Auch Freunde und nahestehende Menschen?
Dann sollten Sie diejenigen im Vorfeld informieren und einladen.
Oder möchten Sie alle einladen, die auf der Trauerfeier waren?
Dann können Sie im Vorfeld die Person, die die Trauerfeier durchführt (Pfarrperson, Trauerredner*in) bitten, am Ende der Trauerfeier offiziell dazu einzuladen.

Wenn es wieder leise wird,
was kommt dann?
Häufig ist es so, dass die Geschäftigkeit der ersten Tage hilft, den großen Verlust nur bruchstückhaft wahrzunehmen. Wenn aber die Trauerfeier und alle Formalitäten erledigt sind, wird es plötzlich leise. Es gibt nur noch wenig Dinge, die zeitkritisch zu erledigen sind, und die Menschen in Ihrem Umfeld kehren sich wieder ihrem eigenen Alltag zu. Häufig sind diese auch einfach unsicher, wie sie sich Ihnen gegenüber verhalten sollen, und vermeiden deshalb den Kontakt zu Ihnen.
Das alles bewirkt manchmal, dass es sich anfühlt, als würde man in ein großes Loch fallen.
Sorgen Sie hier gut für sich und scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu holen, wenn Sie können. Hilfe zu suchen und anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt des Mutes und der inneren Stärke.
Neben den vielfachen Formen der Hilfen auf privater Ebene gibt es auch Angebote zur Trauerbegleitung. Egal ob in Einzelgesprächen oder in Gruppen, im Reden, Tun, Schweigen oder Weinen - finden Sie die Form, die Ihnen entspricht und die Ihnen wirklich weiterhilft. Nicht alles hilft jedem.
Gerne verweise ich hier auch auf die Angebote zur Trauerbegleitung auf meiner eigenen Seite.
